Let's talk about Mobbing - Nicole Ardin

Freitag, 16. November 2018

Let's talk about Mobbing

Liebe Leser,

Heute möchte ich über ein Thema sprechen, das ziemlich verbreitet ist. In meinen über zehn Jahren Tätigkeit für Grosskonzerne durfte ich, unter anderem, auch zum Thema Mobbing und Psychoterror so einiges lernen. Mir ist bewusst es ist kein schönes Thema, umso wichtiger ist es, dass man darüber spricht und sich austauscht, damit Betroffene sich nicht alleingelassen fühlen und sich im Ernstfall zu helfen wissen.

Ein Beispiel bietet Selinas Geschichte
Selina arbeitet seit fast zwei Jahren für ihr jetziges Unternehmen. Die Arbeit gefällt ihr gut, wären da nur nicht ihre Teamkollegen, die versuchen sie systematisch aus dem Unternehmen zu ekeln. Nach ersten Konflikten und Schuldzuweisungen wurde sie von der Gruppe immer mehr ausgeschlossen. Man sprach praktisch täglich hinter ihrem Rücken schlecht über sie, freute sich, wenn ihr einen Fehler passierte und lachte auch mal ganz ungeniert, wenn es ihr schlecht ging. Noch dazu musste sie sich anhören wie viel besser es dem Team gehen würde, wenn gewisse Personen sich eine neue Arbeitsstelle suchen würden - sie wusste, dass dieser Wink ihr galt. Zu einem Gespräch waren ihre Teamkollegen nicht bereit und wimmelten sie immer wieder ab, wenn sie all ihren Mut zusammenfasste und sie darum bat und auch der Gang zum Vorgesetzen und sogar zur Personalabteilung bliebt leider erfolglos. Seit gut einem Jahr macht sie das Ganze mit, erzählt sie mir und sie weiss mittlerweile beim besten Willen nicht mehr weiter, weshalb Selina sich jetzt dazu entschlosen hat eine neue Stelle zu suchen und nochmals von vorn zu beginnen.

Nun, in Selinas Fall endete die Sitaution leider unglücklich. Sie hatte das Pech, das Vorgesetze und Personaler ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind und hat sich nicht getraut sich weiter zur Wehr zu setzen. Gerade in ihrem doch noch relativ jungen Alter kann ich ihre Entscheidung aber durchaus nachvollziehen und ich glaube, sie wird sich an einem neuen Ort ohnehin viel wohler fühlen. Trotzdem muss Mobbing nicht so enden, denn man kann dem Ganzen durchaus ein Ende setzen. Eine Frage bleibt da jedoch immer als erstes zu beantworten, nämlich: Werde ich mich an diesem Ort noch wohlfühlen, nachdem ich mich erfolgreich zur Wehr gesetzt habe? Will oder muss ich wirklich an diesem Ort bleiben, oder geht es mir womöglich besser, wenn ich einen Neustart wage?

Diese Frage sollte man sich erst einmal ehrlich und in aller Ruhe beantworten. Wenn es einem danach nicht besser geht, dann ist ein Neuanfang wohl doch die bessere Wahl. Im nachfolgenden Text gehen wir aber davon aus, dass man sich zur Wehr setzen möchte, deshalb möchte ich ein wenig mehr darüber berichten, was Mobbing genau ist, wie es entsteht und wie man sich zur Wehr setzen kann.

Was ist denn eigentlich Mobbing?
Ich denke die meisten von uns wissen zumindest in etwa was Mobbing ist. Ich will es dennoch kurz erläutern. Unter Mobbing (engl. bullying) versteht man das wiederholte und regelmäßige Schikanieren, Quälen und seelische Verletzen von Personen. Heute wird es auch oft als Psychoterror am Arbeitsplatz oder in der Schule bezeichnet, bei dem versucht wird den Betroffenen aus dem Betrieb zu ekeln. Kurz gesagt, mit Mobbing versuchen manche ihre Mitmenschen psychisch fertig zu machen. 

Die 4 typischen Phasen des Mobbings:
Der Vorgang beim Mobbin läuft in etwa so ab.

  1. Es gibt erste Konflikte und Schuldzuweisungen - die ersten persönlichen Angriffe
  2. Immer häufiger wird die betroffene Person schikaniert und  ausgegrenzt, was zu einem Verlust des Selbstwertgefühls führt.
  3. DIe betroffene Person steht psychisch stark unter druck. Fühlt sich völlig verunsichert oder verängstigt. Es folgen Konzentrationsstörungen und dadurch wiederum passieren auch vermehrt Fehler. Darauf können auch Abmahungen oder Kündigungsdrohung folgen.
  4. Die betroffene Person gibt auf: Sie kündigt, wird gekündigt, oder willigt einen Auflösungsvertrag ein.

Und was ist, wenn das Mobbing vom Vorgesetzten ausgeht?
Manchmal kommt es auch vor, dass Vorgesetze ihre Machtposition missbrauchen um Mitarbeiter, die ihm nicht in den Kram passen, wieder loszuwerden. Statistiken zuvolge gehen etwa 37 Prozent aller Mobbingfälle von Vorgesetzten aus und in weiteren 12 Prozent der Fälle mobben Vorgesetzte gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen des Betroffenen. Gerade wenn das Mobbing vom Vorgesetzen ausgeht, kann das natürlich sehr bedrohlig wirken und hängt oft mit Existenzängsten zusammen, die man nicht unterschätzen sollte.

Machtspiele, die Pflichten des Unternehmens und die Rechte des Arbeitnehmers
Doch egal von wem das Mobbing ausgeht, es macht durchaus Sinn sich hier im Vorfeld eine gute Strategie auszudenken, denn wie auch in Selinas Fall kann es sein, dass Mitabeiter oder gerade auch Vorgesetzte sehr eng mit der Personalabteilung zusammenarbeiten. Sollte dies der Fall sein und der Personaler handelt aus diesem Grund voreingenommen, so verletzt auch er seine Rolle, in der er als unparteiischer Mediator zu handeln hätte. Davon sollte man sich aber auf keinen Fall einschüchtern lassen, sondern darf völlig selbstbewusst einen Schritt weiter gehen in der Hierarchiestufe. Übrigens hat der Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitnehmer eine Fürsorgepflicht, zu der es auch gehört, dass der Arbeitgeber alle ihm zumutbaren Massnahmen treffen muss um Mobbing zu unterbinden.

Warum manche Menschen das Bedürfnis haben anderen zu schaden  
Was also verleitet Menschen dazu andere schlecht machen zu wollen, sei es weil sie hinter dem Rücken anderer schlecht über sie reden, oder ganz konkret und direkt versuchen sie schlecht zu machen und ihnen schaden zu wollen. Meiner Erfahrung nach hängen da mehrere Dinge zusammen. Zum einen ist da auf jeden Fall ein niederes Selbstwertgefühl des Schadenden mit im Spiel. Wer schlecht über andere spricht, ihn schlecht machen will, will damit zeigen, dass er über ihm steht, dass er besser ist, sich besser verhält und sich somit über jemand anderes erhebt. Also im Sinne von, wenn er schlechter dasteht, stehe ich besser da. Das Bedürfnis sich über jemand anderes erheben zu wollen pusht daher das eigene Ego und wird nur von jemandem gerbaucht, der selbst das Gefühl hat nicht viel Wert zu sein. Wobei das alles in den allermeisten Fällen natürlich unbewusst abläuft.

Aber warum Lästereien und Mobbing? In unserer Grundnatur hat Lästern sehr viel mit Gemeinschft und sozialem Status zu tun, wer lästert zeigt, dass er das Verhalten oder die Art des anderen nicht gutheisst, vielleicht sogar andere davor warnt sich so zu verhalten, weil man mit solch einem Verhalten aus der schützenden sozialen Gruppe ausgestossen wird - was wiederum mit einem menschlichen Urtrieb zu tun hat, wie ich übrigens hier schon mal beschrieben habe, zu tun hat.

Gemeinsames Lästern zeigt also wir gehören zusammen, der gehört nicht dazu, was uns stark und ihn schwach macht. Lästerei und Mobbing hat daher immer etwas mit Machtanspruch und Ego zu tun. Wer merkt, dass er gerne und oft über andere lästert, dem gratuliere ich erst einmal, weil ja bekanntlich Einsicht der erste Schritt zur Besserung ist - nach dem netten Schulterklopfen meinerseits sollte er sich aber vielleicht dann doch mal selbst etwas geneuer beobachten, warum er dieses Bedürfnis verspührt andere schlecht machen zu wollen. Wieso braucht er es? Was fehlt ihm, was er dadurch bekommt? Seine eigene Persönlichkeit zu erforschen ist unheimlich spannend und man kann sehr daran wachsen durch solche Einsichten. Wir alle verhalten uns mal daneben, wir alle haben unsere Stärken und Schwächen aber auch wir alle können daraus lernen und wachsen, wenn wir sie denn erkennen und natürlich auch bereit sind an uns zu arbeiten.

Wie schüzt man sich am besten vor Mobbing, wie wehrt man sich dagegen?
Wichtig z wissen ist, dass man solche Angriffe nicht verharmlosen sollte, denn sie können auf lange Sicht ganz schön grossen Schaden anrichten. Wichtig im Falle von Mobbin ist möglichst rasch zu reagieren und sich Unterstützung zu holen. Sei dies in Form eines  anderer Kollegen aus dem Umfeld, eines Personalers oder dem Vorgesetzen. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass man das nicht alleine durchstehen muss und man sich möglichst nicht isolieren sollte, denn dieses Ausgrenzen ist ja genau das Ziel der Mobber. Sie wollen, dass man sich einsam und schlecht fühlt, dass man keinen Selbstwert mehr hat und sich am Ende in die Flucht schlagen lässt. Doch das muss nicht sein, man kann dem Mobber durchaus klar zu verstehen geben, dass man sich nicht in die Opferrolle drängen lässt.

Die ersten Schritte zusammengefasst:
  • Gar nicht erst in die Opferrolle drängen lassen. Ingorieren kann auch helfen, denn wenn der Mobber merkt, dass dich seine Sticheleien nicht kratzen, du sie vielleicht sogar noch mit Humor nehmen kannst, dann wird es für ihn schnell mal langweilig.
  • Manchmal reicht auch eine Aussprache mit dem Mobber. Dabei darf man ruhig und klar sagen, dass man sein Verhalten nicht mehr duldet.
  • Verbündete suchen: Suche nach Vertrauenspersonen, seien dies Kollegen, der Vorgesetze, die Personalabteilungen, oder der Betriebsrat.
  • Führe ein Mobbing Tagebuch in dem du alles möglichst detailliert aufschreibst, was sich in Sachen Mobbing ereignet. Schreibe auch auf wie du dich jeweils dabei fühlst, denn das hilft dir mögliche Lösungsansetze zu erkennen.
  • Sorge gut für dich. Dazu gehört auch die eigene Stressbewältigung. Vielleicht führen Sie Meditation, Sport, Entspannungsübungen oder ein Hobby durch, das Ihren Selbstwert aufbaut.

Übrigens gibt es auch in der Schweiz einige Anlaufstellen, die einen gerne Beraten und Unterstützen, wenn man sich gegen Psychoterror wehren will. Hilfe erhälst du unter Anderem bei der Fachstelle Mobbing und Belästigung


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* Selina ist 23 und heisst eigentlich anders. Ihren Namen habe ich geändert, um sie zu anonymisieren und ihrePrivatsphäre zu schützen.


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