Wie Karla lernt ihr Leben one Neid und Missgunst zu meistern - Nicole Ardin

Freitag, 14. Dezember 2018

Wie Karla lernt ihr Leben one Neid und Missgunst zu meistern

 
Vor ein paar Monaten habe ich Karla kennengelernt. Sie hat viel Gutes in ihrem Leben, eigentlich sogar sehr viel Gutes, ihr Problem jedoch ist, dass sie es nicht sehen kann. Sie fühlt sich nämlich nicht besonders gut, sie fühlt sich sogar so schlecht, dass sie immer wieder ein starkes Bedürfnis hat sich selbst etwas beweisen zu müssen. Karla meint, sie sei einfach viel zu schnell neidisch auf andere und das würde sie manchmal kaum mehr aushalten.

Wir reden eine Weile und ich merke wie sehr Karla mit ihrer Situation zu kämpfen hat. Sie meint, wann immer sie dieses Gefühl von Neid verspürt, dann kann sie an nichts mehr anderes denken als daran allen zu zeigen wie gut sie ist - um nicht zu sagen, wie viel besser sie ist und dabei schreckt sie auch nicht davor zurück schlecht über andere hinter ihrem Rücken zu sprechen.

Um ehrlich zu sein, ich bewundere Karla. Nicht ihres Verhaltens wegen, aber dafür, dass sie sich dieses Problems so bewusst ist und sichtlich eine positive Veränderung in ihr Leben bringen will. Das braucht sehr viel Mut und beweist auch, dass sie für ihr doch noch relativ junges Alter schon eine sehr reife Persönlichkeit ist.


Von Neid und Missgunst
Zuerst einmal ist Neid nichts grundsätzlich schlechtes. Wenn wir neidisch sind, zeigt uns das in erster Linie nur, dass jemand anderes etwas hat, oder lebt, was wir auch gerne hätten oder leben würden. Das ist insofern etwas Gutes, weil es ein Indikator dafür sein kann, was wir in unserem Leben noch alles erreichen wollen - es spornt uns also an uns weiterzuentwickeln. 

Wenn wir jemand anderes jedoch nicht nur beneiden, sondern ihm seinen Erfolg missgönnen, dann zeigt das sehr viel über unser eigenes Innenleben. Ja, tatsächlich hat die Missgunst rein gar nichts mit der Person zu tun, der wir etwas missgönnen, sondern nur mit uns selbst. Wer dann noch ein derart starkes Bedürfnis hat sich ständig über andere stellen zu müssen, beziehungsweise sie anhand von Worten oder Taten schlecht zu machen, zeigt eigentlich nur, dass er selbst etwas überspielen will, was er an sich selbst nicht akzeptieren will oder kann. Das muss übrigens auch noch lange nicht etwas sein, was objektiv betrachtet wirklich schlecht ist, das kann durchaus auch etwas sein, was wir ganz subjektiv nicht an uns oder unserem Leben mögen - manchmal sogar unbewusst.

Selbstbewusstsein und Selbstliebe
Besonders Menschen, die wenig Selbstvertrauen haben, sich selbst nichts zumuten und das Gefühl haben, das Leben meine es nicht besonders gut mit ihnen, neigen dazu auch anderen nichts gönnen zu können. Ich nutze hier bewusst das wort können, weil dieses Verhalten meiner Meinung nach nicht bewusst böswillig ist, sondern eher aus einer Art stiller Hilferuf entsteht.

Was kann man also tun, wenn man merkt, dass das bei einem selbst was nicht stimmt? Der erste wichtige Schritt ist das Bemerken. Wer sich dessen bewusst wird, der hat schon einen riesigen Schritt in eine positivere Zukunft getan. Weiter ist es wichtig sich selbst besser kennen zu lernen, seine Schwächen, aber natürilch auch seine Stärken. Auch hier kann Achtsamkeitstraining übrigens sehr hilfreich sein, weil man sich so selbst besser kennenlernen kann, ohne gleich wieder alles als gut oder schlecht zu werden, denn diese Wertung wird einen an dieser Stelle nicht weiterbringen, sondern im Gegenteil eher dazu beitragen, dass der innere Kritiker noch mehr Macht über einen erlangt. Wir alle haben Qualitäten an uns, die wir nicht besonders mögen, wir müssen diese auch nicht gleich in vollster Euphorie lieben, aber ihnen einfach mal einen Platz in usnerem Leben einräumen, das reicht schon völlig aus für den Anfang.

Also erst mal weg vom Kritiker und hin zum Beobachter und Forscher. Wer bin ich eigentlich? Was kann ich, und was kann ich nicht so gut? Kann ich dankbar sein für meine Talente? Warum stört mich dieses oder jenes eigentlich so sehr?

Karla ist dabei ihr Leben zu meistern
Nachdem wir lange übers Thema Neid und Missgunst, und ihren Wunsch ausgeglichener zu sein gesprochen haben, tauschen wir uns über alle möglichen Ideen aus, wie Karla ein positiveres Selbstbild in ihr Leben bringen könnte. Ich berichte ihr von meinen Erfahrungen zum Thema Achtsamkeit, aber auch über die Idee den Fokus auf mehr bewusst gelebte Dankbarkeit im Alltag zu richten - zum Beispiel mit Hilfe eines Dankbarkeitstagebuchs. Und natürlich ist es auch hilfreich zu wissen, wie man sich nicht von der Negativität anderer mitreissen lässt. Weiter sprechen wir übers Thema sich ständig mit anderen vergleichen zu müssen, denn dann neigen wir gerne dazu andere zu verherrlichen und den Blick auf das zu richten, was wir nicht haben. Karla ist motiviert sich nicht mehr zu sehr davon beeinflussen zu lassen, wenn möglich, auch mal hinter die oft scheinbar perfekten Fassaden zu blicken und zu erkennen, dass man nicht perfekt sein muss um liebenswert zu sein und so akzeptiert zu werden wie man ist. Ich bin zuversichtlich, dass Karla diese Herausforderung ganz gut in den Griff bekommen wird und freue mich schon auf das was sie mir zu berichten hat, wenn wir uns das nächste Mal sehen.



* Karla ist 24 und heisst eigentlich anders. Ihren Namen habe ich geändert, um sie zu anonymisieren und ihrePrivatsphäre zu schützen. 

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