Selbstexperiment Achtsamkeit (Teil III) - Der Schweigeretreat

by - Januar 19, 2019


Einen Tag lang schweigen? Ob das wohl gut geh? Zugegeben, eigentlich sind es nur sechs Stunden, in denen wir tatsächlich schweigen müssen und ja, ich weiss, dass es Leute gibt, die während Tagen, ja gar Wochen  oder Monate schweigen - aber ich? Ob ich das nur schon während diesen sechs Stunden schaffe? 

Das waren die Gedanken, die mir vor unserem Achtsamkeitstag durch den Kopf gingen, der Teil der achtwöchigen MBSR Kurses war. Mittlerweile weiss ich, wie sich ein Tag Schweigen für mich anfühlt und bin erstaunt darüber, wie gut er sich anfühlt. Aber lass mich dir erst mal von vorne beginnen und dir ein wenig darüber erzählen, was ich an meinem Schweigetag so alles erlebt habe.

Mittlerweile kennt sich unsere Gruppe ja schon ganz gut, denn nachdem wir uns während letzten sechs Wochen jeden Montagabend zusammen in Achtsamkeit geübt hatten, sind wir zu einer ganz angenehmen Truppe zusammengewachsen, in der jeder so seine kleinen Gewohnheiten angenommen hat. Für unser Wohlbefinden stehen im Raum auch jeweils Matten, Meditationskissen oder Decken bereit, aber natürlich auch Stühle, für die, die lieber auf dem Stuhl sitzen möchten. So darf jeder bewusst entscheiden, wie es ihm am wohlsten ist. Nicht anders war es am Achtsamkeitstag, nur dass unser Achtsamkeitstraining an diesem Samstag sechs statt zweieinhalb Stunden dauern würde, dass jeder etwas zum Mittagessen mitbrachte und dass wir versuchen sollten währen dieser sechs Stunden nicht zu sprechen.

Zu Beginn wurden wir alle informiert, wie das ganze ablaufen würde und auch, was zu tun war, falls es jemandem zu schwer fallen sollte, schliesslich hatten die wenigsten aus unserer Gruppe zuvor schon einmal so lange meditiert und geschwiegen. Dann ging es los und unser Kursleiter führte uns durch einen Tag voller Meditation, Yoga und Achtsamkeit.

Was die Übungen selbst anging, hatte ich keine weiteren grossen Erkenntnisse. Mit den Asanas, also den Yogastellungen, hatte ich nach wie vor meine Mühe. Irgendwie waren es einfach nicht ganz meine Bewegungen und ich mache Zuhause jeweils lieber andere Asanas. Ähnlich ging es mir beim achtsamen Gehen, wo es mir vor wenigen Wochen sogar ein wenig schwindlig wurde. Das ist mir an diesem Samstag zwar nicht mehr passiert, dennoch spürte ich auch hier wieder, dass ich mich bei dieser Übung irgendwie noch blockiere. Trotzdem habe ich sie ganz gut gemeistert. Der Body Scan und die anderen Meditationsübungen hingegen waren meine absoluten Highlights, vor allem die Visualisierungsmeditation, die wir hier zum ersten Mal gemacht haben, war grosse klasse. Da wir all die Stunden von unserem Kursleiter durch den Tag und die jeweiligen Übungen geführt wurden, fiel es mir auch nicht besonders schwer nicht zu sprechen. Man war mit Zuhören und Hineinspüren beschäftigt, so erschien es ganz natürlich nicht zu sprechen. Allein das Schweigen während des gemeinsamen Mittagessens war etwas gewöhnungsbedürftig, aber für mich persönlich auch kein Problem.

Ich würde jeder Zeit wieder einen Achtsamkeitstag machen, da es mir unheimlich gut getan hat. Etwas verwundert war ich allerdings darüber wie anstrengend es geistig war, denn am Abend war ich völlig erschöpft, aber zufrieden. Auch spannend fand ich, dass ich am Abend gar keinen grossen Redebedarf hatte, sondern dass es mir eher schwer fiel wieder zu sprechen - vielleicht aber auch einfach weil ich müde war. Für mich war es auf jeden Fall eine sehr spannende und wertvolle Erfahrung.

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