Warum positive Gefühle nicht immer hilfreich sind - Nicole Ardin

Freitag, 1. März 2019

Warum positive Gefühle nicht immer hilfreich sind

https://hbr.org/2016/11/3-ways-to-better-understand-your-emotions
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„Not all positive things are optimal.” - James Pawelski

Wie oft hören wir Ausdrücke wie "Think positive" oder "Mal doch nicht immer alles gleich schwarz" und es ist wahr, wer seine Aufmerksamkeit trainiert ist viel eher in der Lage positives in seinem Leben zu finden. Wobei das weniger damit zu tun hat, dass mehr Positives geschieht, man ist einfach empfänglicher dafür wenn man es bewusst erlebt, denn unser Gehirn ist sonst eher darauf ausgerichtet Gefahr zu erkennen, was wiederum evolutionstechnisch für unsere Vorfahren natürlich überlebenswichtig war. Heute hingegen, ist ständige Schwarzmalerei eher hinderlich, ja es kann uns sogar unglücklich machen - daher ist es vorteilhaft seine Aufmerksamkeit zu trainieren, um das Gute einfacher zu erkennen.

Als ich Anfang diesen Jahres mit meinem Kurs in Positiver Psychologie begann, war unter anderem auch ein grosses Thema, wie denn nun das positiv in der Positiven Psychologie überhaupt zu verstehen ist. Tatsächlich könnte man meinen, dass es eben damit zu tun hat möglichst immer positiv zu sein und somit ein gutes Leben zu führen. Doch dem ist nicht so. Die Positive Psychologie befasst sich mit der Erforschung dessen,was unser Leben grundsätzlich besser und lebenswert macht. Sie vermittelt jedoch keineswegs die Ansicht, dass negative Gefühle aus dem Alltag auszuschliessen seien. Viel mehr geht es um die Fragen, wann welche Gefühle angemessen sind, im Sinne von, welche Gefühle helfen mir im Moment am besten mit einer Situation umzugehen.

Was geschieht also, wenn du dich in einer Situation befindest, in der du beim besten Willen nicht positiv bleiben kannst? Was, wenn du dir dabei jedoch immer wieder einredest, das sei doch alles gar nicht so schlimm und du müsstest einfach nur positiv denken? Diese Stimme, die deinen vorhandenen Gefühlen ständig wiederspricht, die doch eigentlich nur authentisch gefühlt werden wollen, wird in einer Situation wie dieser wohl kaum hilfreich sein. Wir dürfen traurig, wütend, ettäuscht, verzweifelt und deprimiert sein und wir dürfen diese Emotionen hemmungslos fühlen und ausleben, ohne uns dafür zu verurteilen.

Manchmal geschehen schreckliche Dinge. Nehmen wir den Tod eines geliebten Menschen als Beispiel. Wenn ich mich traurig fühle, dann sollte ich trauern dürfen, das hilft mir mit der Situation klarzukommen, sie zu verarbeiten und mich weiterzuentwickeln. Würde ich meine Trauer jedoch unterdrücken und mir einreden, ich müsse positiv denken, dann wäre ich nicht in der Lage meine Trauer zu verarbeiten - ich würde darin stecken bleiben, es verdrängen und das kann nicht gesund sein. Aber vorsicht, jeder Mensch und jede Situation sind einzigartig, ich kenne Menschen, die nach dem Verlust einer Person ganz aufgelöst zu mir kamen und sagten: "Ich sollte trauern, aber ich fühle nichts, stimmt etwas nicht mit mir?" Immer dann, wenn wir glauben wir müssten uns in einer gewissen Situation auf eine bestimmte Weise verhalten, uns aber nicht so fühlen, neigen wir dazu es nur noch schlimmer zu machen. Warum? Nicht etwa, weil wir anders fühlen sollten, sondern weil wir uns für das was wir fühlen verurteilen.

Jeder geht anders mit Situationen um, wichtig dabei ist nur, dass wir ehrlich zu uns selbst sind. Wenn wir keine Trauer verspüren, sollten wir uns auch nicht dazu zwingen, oder umgekehrt. Wenn wir in einer Situaiton keine Freude verspühren, sollten wir auch nicht so tun als ob. Uns selbst einzureden wir sollten jetzt positiv denken, das wäre besser, es aber nicht verspüren, dann wird es uns auch nicht helfen. Hier geht es darum authentisch zu sein, sich selbst zu sein und seine Gefühle zu erforschen - ihnen Raum zu bieten um einfach sein zu dürfen.

Ein positives und optimistisches Leben zu führen bedeutet nicht, die Welt nur noch durch eine rosarote Brille zu betrachten, realitätsfern zu leben und sich für alles, was nicht in die "think positive" Schiene passt, zu verurteilen. Es bedeutet auch nicht einfach alles hinzunehmen und nett zu lächeln.
Ein optimistisches Leben zu führen bedeutet sich zu erlauben Gefühle anzunehmen, und sie, wenn möglich, weniger in gut oder schlecht einzuteilen, sondern sie einfach zu fühlen, so wie sie sind, authentisch. Es bedeutet aber auch  sich Zeit zu nehmen, das eigene authentische Selbst kennezuerlenen und ihm erlauben sich zu entfalten - mit all seinen Gefühlen.

Auch empfehlenswert: The "tyranny" of Positivity (englischer Artikel)




Kommentare:

  1. Hi Nicole,

    Vielen Dank dein Beitrag ist sehr informativ und hilfreich.

    Liebe Grüsse
    Jen

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    1. Liebe Jen,

      Danke dir für dein Feedback.

      Liebe Grüsse
      Nicole

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