Persönliche Weltsichten und warum Ermutigung so wichtig ist - Nicole Ardin

Freitag, 25. Oktober 2019

Persönliche Weltsichten und warum Ermutigung so wichtig ist

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Als ich mich vor einigen Jahren jobmässig in einer Sackgasse befand, entschied ich mich mir Unterstützung zu holen. Ich teilte meine Wünsche, meine Ziele und Träume einer professionellen Beraterin mit und erhoffte mir dadurch den einen oder anderen guten Tipp, wie ich diese am besten erreichen könnte. Die Antwort fiel allerdings ernüchternd aus. Ich hätte so kaum Chancen hiess es, obwohl ich vor wenigen Monaten erst gerade eine Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen hatte. Ich müsste wohl meinen Job aufgeben und noch ein Vollzeitstudium belegen, wenn ich überhaupt eine Chance haben wollte und selbst dann war ohne Praktika wohl kaum was zu holen – etwas, das mir zu diesem Zeitpunkt Finanziell gar nicht möglich war. Als ich ihr das mitteilte, sagte sie nur, ich solle meine Eltern um Unterstützung bitten, die würden meine Wohnungsmiete und alle anderen Lebenskosten bestimmt während der drei Jahre Ausbildung tragen. Und nur damit wir uns jetzt richtig verstehen, das hätten sie nicht. Nicht etwa, Weil sie nicht gewollt hätten, aber weil es finanziell für sie ein ebensogrosser Einschnitt gewesen wäre wie für mich. Vor allem aber, weil ich mit meinen damals schon fast 30 Jahren und somit vielen Jahren der finanziellen Unabhängigkeit schlichtweg von niemandem mehr abhängig sein wollte. Ich hatte so viel erreicht, für das gekämpft was mir wichtig war, nur um jetzt bei Mama und Papa um Geld zu betteln? Nee, ganz bestimmt nicht. Ich Weiss, manchen hätte das überhaupt nichts ausgemacht, man kann das alles ja am Ende zurückzahlen und ja, das stimmt durchaus. Doch für mich wäre es einem Freiheitsentzug gleichgekommen. Ich wollte es aus eigener Kraft schaffen.

Als ich die Beratung verliess, war ich noch demotivierter als davor. Nicht nur, dass mir geringe Chancen vorausgesagt wurden, die scheinbar einzige Möglichkeit meine Träume doch noch zu verwirklichen schienen in einer Abhängigkeit meiner Familie gegenüber zu enden. Nee, das musste auch anders gehen, dachte ich mir.  Damals ringte ich eine Weile lang mit mir, mit meinen Träumen und Zielen. Ich begann noch mehr zu hinterfragen, mehr zu zweifeln, abzuwägen und nach einer Weile begann ich nach möglichen Wegen zu suchen, die zu mir passen könnten. Es sollte jedoch noch einige Monate dauern, bis ich meinen Mut wieder beisammen hatte um in eine für mich stimmige Richtung zu starten.

Heute weiss ich, was die Beraterin mir da vorschlug war ihre Geschichte, die sich da in ihren Worten wiederspiegelte und wie ich ich Worte auffaste, gehörte zu meine Geschichte. Tendenziöse Apperzeption, nennt man das im Fachjargon – ein furchtbares Wort, wenn ihr mich fragt. Es waren ihre Erfahrungen, ihre Wahrnehmung, ihre Ängste und Grenzen, die sie mir da so schön angerichtet servierte. Ihrer Ansicht nach waren es wohl ein gut gemeinter Ratschlag, dass ich lieber die Finger von meinen Träumen lassen sollte, für mich war es allerdings nichts weiter als Entmutigung. Das was ich eigentlich erwartet hatte, nämlich ein wenig Führung und mögliche Lösungsansätze durch einen damals recht steinigen Weg, entpuppte sich als Steinlawine, die meinen Weg zumindest für eine Weile völlig zuschüttete. Ich übernahm ihre Angst, ihre inneren Grenzen und redete mir ein, dass es wohl so am besten sei und ich mich lieber wieder in wohl bekannte Bahnen zurückbegeben sollte. Sie musste es ja wissen, dachte ich mir.

Mittlerweile weiss ich, dass sie sich damals als Beraterin einen Fauxpas geleistet hatte, und das ich wunderbar mit eingestiegen bin, denn eine der grössten Gefahren eines Beraters ist es von sich selbst auf unsere Klienten schliessen. Wenn wir es nicht schaffen die von uns eingefärbte Weltsicht-Brille in einem Beratungsgespräch abziehen zu können, dann sind wir dem Klienten schlichtweg nicht dienlich. Nun, wir sind alles nur Menschen und das ist auch völlig ok, doch sollten wir, gerade wenn wir professionell unterwegs sind, besonders achtsam sein und unsere Mitmenschen möglichst er- und nicht entmutigen. Doch trotz der damaligen Entmutigung hatte sie in einem wohl recht, die Richtung, in der ich meine Weiterbildung abgeschlossen hatte, war nicht meine – zumindest nicht in der Form wie ich sie damals leben wollte.

Mittlerweile hat sich bekanntlich alles zum Guten gewendet. Ich habe mein Ziel, trotz aller Widrigkeiten erreicht. Trotzdem hat es noch einige Zeit gedauert und einiges an Durchhaltevermögen gefordert, bis ich am Ende selbst meinen Weg gefunden hatte. Aus dieser Situation habe ich folgendes gelernt:

Wenn ich Menschen ermutige, dann ...

  1. ... können sich ihre Ziele oder Träume zwar nach wie vor ändern und manches kann sich auch als Sackgasse herausstellen, aber sie sind dann motiviert nach dem zu suchen, was zu ihnen und ihren Stärken passt.
  2. ... vermittle ich ihnen, dass ich vertrauen in ihre Fähigkeiten und in sie als Menschen habe.
  3. ... schenke ich innen die Möglichkeit über den Tellerrand zu schauen und über sich selbst hinauszuwachsen

Bei der Ermutigung geht es nicht darum etwas schönzureden. Es geht darum das Potential zu erkennen und auf Stärken zu bauen. Scheitern können und müssen wir im Leben immer wieder mal, das ist per se auch gar nichts Schlechtes, denn Rückschläge im Leben sind wichtige Lehrer (siehe dazu den Artikel: Warum Rückschläge im Leben wertvoll sind). Doch wenn wir uns dadurch entmutigen lassen, laufen wir Gefahr es gar nicht erst zu versuchen, gar nicht erst nach unserem Glück zu forschen, oder die nötige Kraft aufzubringen um für etwas zu Kämpfen was für uns wichtig ist. Entmutigung kann uns das Genick brechen, während Ermutigung uns Flügel schenkt.



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