Vom Gemeinschaftsgefühl und einem achtsamen Umgang miteinander

by - März 17, 2020


Vor einer Woche war wieder Block für mich angesagt. Block heisst Seminarwochenende, denn mein Studium ist im Seminarstil aufgebaut. Für gewöhnlich sitzen wir zu Beginn des jeweiligen Wochenendes als erstes kurz zusammen und jeder erhält die Gelegenheit anzusprechen, was ihn derzeit beschäftigt. Du kannst dir vorstellen, was an jenem Samstagmorgen unser Hauptthema war. Richtig, das Virus, das uns gerade ziemlich im Griff hat und dabei spreche ich noch nicht einmal von der Krankheit selbst, sondern viel mehr von all den Auswirkungen, die sie mit sich bringt.

In meiner Studienrichtung, der Adlerianischen Psychologie gilt das Gemeinschaftgefühl als einer der zentralee Begriffe, was in unserer Runde dementsprechend auch viele Fragen aufgeworfen hat. Was passiert denn eigentlich mit dem Gemeinschaftsgefühl in einer solchen Ausnahmesituation? Was passiert, wenn Familien ihre älteren Mitglieder nicht mehr besuchen gehen? Was passiert, wenn wir uns kaum mehr trauen positiven Körperkontakt zu haben und was geschieht, wenn sich jeder in seinen vier Wändern verbarrikadiert, bezeihungsweise, wenn wir ganz einfach Ausgangssperre erhalten, wie es gerade in Italien der Fall ist?

Wenn Unsicherheit und Angst uns im Griff hat

Die derzeitige Situation ist unschön, zugegeben. Ich kann verstehen, dass viele verunsichert sind, denn gerade durch  die ständige Medienflut, die leider oft nur Halbwahrheiten enthält, entsteht viel Unsicherheit, noch dazu lassen sich viele von den Ängsten anderer anstecken. Die Folgen sind erschreckend, denn Hamsterkäufe sind noch relativ harmlos, wenn man bedenket was manche sonst noch so alles anstellen. Natürlich ist es ärgerlich, wenn einem das Essen vor der Nase weggeschnappt wird, doch wirklich schockiert bin ich davon, dass denen, die es zum Beispiel im Spital wirklich nötig hätten, Schutzmasken und Desinfektionsmittel geklaut werden.

Gibt es auch eine positive Seite?

Was also macht das mit unserem Gemeinschaftsgefühl? Es scheint darum nicht besonders gut bestellt, oder etwa doch? Gerade in solch schwierigen Zeiten neigen wir dazu nur noch das Negative zu sehen, doch unser Gehirn spielt uns da einen Streich, denn bei all dieser Unsicherheit und Angst, sehe ich auch eine andere Seite. Eine Seite der Solidarität. Wie zum Beispiel die Italiener, die trotz Ausgangssperre, jeder auf seinem Balkon sitzend und doch alle gemeinsam musizieren. Es gibt Facebook-Gruppen, die Menschen, die Hilfe benötigen ebensolche anbieten. Menschen, die einander Mut zusprechen und Bekannte, die sich nach langer Zeit wieder kontaktieren um nachzufragen, ob alles in Ordnung ist.

Und noch etwas Gutes entsteht daraus. Diese Situation animiert uns nämlich auch dazu achtsamer zu leben. Uns Gedanken zu machen, nicht nur über uns sondern auch darüber was durch das eigene Verhalten mit unseren Mitmenschen geschieht. Doch das gelingt nur, wenn wir uns nicht vond er Angst beherrschen lassen. Natürlich dürfen und sollen wir uns informieren, aber bitte richtig. Richtig heisst, mehrere Seiten zu betrachten, die Medien, aus denen wir unsere Informationen ziehen sorgfältig zu wählen und dementsprechend achtsam handeln. Auserdem animiert uns diese Situation auch kreative Lösungen zu finden, Zuhause vielleicht mal was unegwohntes tun, wenn wir schon mehr daheim sind als für gewöhnlich. Das musss noch lange nichts schlechtes sein, wenn wir uns denn erlauben neugierig und kreativ unseren Alltag zu gestalten, selbst dann, wenn wir eingeschränkter sind als gewöhnlich. Vielleicht kannst du endlich das Buch lesen, welches schon so lange auf deinem Nachttisch steht, vielleicht versuchst du dich in einem neuen Rezept, oder du dekorierst dein Haus um? Wer weiss, vielleicht ist jetzt sogar die Zeit das Buch zu schreiben, das du schon immer schreiben wolltest? Oder du gehst in die Natur und erfreust dich and en ersten Blumen und grünnen Gräsern des Jahres?

Selbstbestimmt leben auch in einer Ausnahmesituation?

Ironischerweise habe ich mir gerade in dieser Zeit vorgenommen einen Artikel über eine selbstbestimmte Lebensweise zu schreiben. Tja, das wird  spannend, insbesondere in einer solch ungewöhnlichen Situation werde ich bestimmt noch ein paar zusätzliche Erkenntnisse gewinnen, die ich ohne diese Situation wohl gar nicht beachtet hätte. Auch diese will ich in meinem Artikel erläutern. Daher heisst es für mich in dieser Hinsicht kreativ zu sein, neugierig, wie sich das ganze anfühlt und was ich dennoch daraus machen kann. Ich bin gespannt!


Auf jeden Fall wünsche ich dir, lieber Leser, dass du gesund und zufrieden bleibst.


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