Von Ängsten und unserem psychischen Wohlbefinden

by - März 21, 2020


Lieber Leser,

Die Menschheit wird derzeit ganz schön gefordert, nicht wahr? Unsicherheiten und Ängste, die hinter scheinbar jeder Ecke lauern und uns eiskalt aus dem Hinterhalt erwischen. Ja, die aktuelle Situation ist ungewohnt und in vielerlei Hinsicht fordert sie einiges an Nerven aber auch an Geduld, wobei das mit der Geduld eher nicht besonders gut zu funktionieren scheint, wenn ich mir die Reaktionen mancher anschaue. Dabei wäre es gerade im Moment wichtig geduldig zu sein, für uns selbst, aber auch für unsere Mitmenschen. Wenn ich auch nach all den Wochen noch völlig entspannt sage Panik sei hier eher hinderlich, dann ernte ich zum Teil schon ganz viel Unverständnis. Warum? Weil manche nicht verstehen, dass Ruhe bewahren nicht mit Gleichgültigkeit gleichzusetzen ist.

Ruhe bewahren heisst nicht die Regeln zu missachten und gleichgültig, oder gar fahrlässig zu handeln. Ganz im Gegenteil! Natürlich ist es wichtig sich an die Regeln zu halten, zum Wohle aller, doch ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass Angst und Panik nicht der beste Weg sind um es gemeinsam aus dieser Krise zu schaffen. Mir ist bewusst, dass viele glauben es ginge nicht anders als über Angstmache und ja, bei ein paar Vereinzelten mag das vielleicht sogar der Fall sein. Das Problem dabei ist, dass diejenigen, die diese Angst vielleicht als Ansporn bräuchten sich oft gar nicht so sehr davon anstecken lassen. Ihr Problem ist das Unverständnis gepaart mit der Gleichgültigkeit. Wirklich treffen tut es hingegen viele andere Menschen, die ohnehin schon eher zur Unsicherheit neigen und die trifft es dann besonders hart, denn nicht nur Viren, auch Angst kann krank machen.

„Angst liegt nie in den Dingen selbst, sondern darin, wie man sie betrachtet.“ – Anthony de Mello

Sollten wir uns stattdessen nicht viel eher gegenseitig ermutigen das richtige zu tun - in diesem Fall zum Beispiel, wenn möglich, Zuhause zu bleiben? Zeigen wir unseren Mitmenschen doch einfach, dass es nicht so schlimm ist Zuhause zu bleiben, dass wir kreativ sein können und Dinge ausprobieren, die wir schon lange nicht mehr, oder vielleicht sogar noch nie gemacht haben. Nebst dieser Angst und Unsicherheit sehe ich nämlich auch sehr viel Gutes, nämlich viele Menschen, die unglaubliches Leisten und solche, die ganz überraschend kreative, neue Wege finden um unseren “Karren” irgendwie am Laufen zu halten.

Ich sehe natürlich all die Menschen in der Gesundheitsbranche, die ihr bestmögliches geben, damit es uns gut geht. Ich sehe Detailhandels- und Logistikunternehmen, die uns mit dem Versorgen, was wir zum Leben brauchen. Ich sehe aber auch Pädagogen, die ihren Schülern erlauben von Zuhause aus zu lernen, oder ihnen jeden Tag übers Netz eine Geschichte erzählen. Ausserdem sehe ich Menschen, Nachbarn, Helfer , die ihre Mitmenschen auch privat unterstützen - ganz einfach weil sie Möglichkeiten haben, die andere vielleicht nicht haben. Ich finde, wir sollten all das nicht einfach ausblenden. Das gehört genauso in die Medien, denn das ist es was uns am Ende zusammenhält, das ist es was uns stark macht und uns Krisen wie diese meistern lässt. Nicht die Angst hilft uns weiter. Die Angst treibt uns dazu unlogisches Zeugs zu machen, wie Hamsterkäufe und das Klauen von Desinfektionsmittel im Spital. Übrigens ist es auch die Angst, die manche dazu treibt sich nicht an die derzeitigen Regeln zu halten - oder viel mehr das Leugnen der eigenen Angst, die dadurch überkompensiert wird. Das ist der Grund, weshalb ich nicht in Panik verfalle, sondern mich ruhig und mit möglichst klarem Menschenverstand dieser Situation widme. Ich bin ganz einfach der Meinung, dass wir gemeinsam stärker sind und die Situation besser meistern können mit Geduld und Zuversicht. Vielleicht fragst du dich jetzt allerdings, was dann ist, wenn man ganz einfach angst hat? Wie man damit umgehen kann? Und genau dazu möchte ich dir ein paar Worte und ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Schreckgespenst Angst

Angst ist etwas kurioses, nicht wahr? Sie hat uns so schnell, so stark im Griff, dass wir in angstvollen, oder gar panischen Situationen kaum mehr in der Lage sind klar zu denken, oder zu handeln. Wenn wir angst haben, dann wollen wir am liebsten weglaufen, oder uns irgendwo verkriechen wo uns nicht und niemand etwas anhaben kann. Dir jetzt zu sagen, dass Panik in dieser Situation nicht angebracht ist, wäre daher ein denkbar schlechter Weg zu gehen und bestimmt nicht der Weg zur Lösung. Aber was wäre denn eine Lösung? Nun, meiner Erfahrung nach bringt es nicht viel sich Ängste einfach wegzudenken, denn damit verleihen wir ihnen die Macht des unbekannten Monsters. Was aber wäre, wenn wir dieses Monster kennenlernen würden?

Hallo, Angst! Wer bist du denn überhaupt?

Ja, mach dich ruhig mit ihr bekannt, denn das ist der erste Schritt zur Selbstbestimmung in Sachen Ängste. Also, was ist Angst überhaupt? Woher kommt sie und warum nervt sie uns in den denkbar ungelegensten Momenten? Als erstes kann ich dir sagen, dass du damit nicht alleine bist. Jeder Mensch, jedes Lebewesen hat angst, das ist etwas ganz Natürliches und ja, die Angst hat durchaus ihren Zweck. Die Angst ist ein Selbstschutzsystem, welches Teil unserer genetischen Ausstattung ist und uns allen dazu dient zu überleben.

Wenn wir Angst verspüren, dann sind ganz bestimmte Regionen unseres Gehirns aktiv und zwar zum einen die Amygdala, welche Teil des sogenannten Limbischen Systems und für die Gefühle zuständig ist. Zum anderen spielt das sogenannte Stamm- oder Reptiliengehirn bei Angst eine wichtige Rolle, denn dieses ist der älteste Teil unseres Gehirns und daher für überlebensnotwendige, grundlegende physiologische Vorgänge zuständig wie Atmung, Verdauung, aber auch für Instinkte und Reflexe zuständig. In letzterem Teil stecken sozusagen auch unsere Notfallprogramme:

  • Flucht
  • Angriff
  • Erstarrung / Totstellen

Diese springen an, wenn die Amygdala unserem Stammhirn Gefahr signalisiert. Daraus wiederum gehen oft körperliche Signale wie Nervosität, Schweissausbrüche, Herzrasen, aber auch Unruhe und Nervosität, bis hin zu Schwindel und Übelkeit hervor. Kurz gesagt, unser Körper reagiert mit Stress. In einer Lebensbedrohlichen Situation dient das alles dazu unser Überleben zu sichern in dem wir daraufhin eben entweder vor der Situation flüchten, wenn wir das Bedrohliche angreifen, oder wie wir es oft noch in der Tierwelt beobachten können, wenn wir uns totstellen.

Berechtigte Angst?

Die erste Frage bei Angst oder gar Panik sollte daher lauten: Ist diese berechtigt? Befinde ich mich gerade tatsächlich in einer lebensbedrohlichen Situation? Falls ja, dann könnte dir eine der drei oben erwähnten Reaktionen das Leben retten. Viel öfters ist es aber der Fall, dass unsere Ängste heute unbegründet oder zumindest zum Teil unbegründet sind. Es gibt kaum mehr Situationen, in denen unser Leben oder das unserer Liebsten gerettet wird in dem wir angreifen, fliehen oder uns totstellen.

Tipps um deiner Angst zu zeigen, wo es langgeht

Du kennst vielleicht das Sprichwort “Geld ist ein guter Diener, aber kein guter Herr”? Nun ich habe es ein wenig abgewandelt, denn es passt genauso zur Angst:

"Angst ist ein guter Diener, aber kein guter Herr."

Was also kannst du tun um besser mit deiner Angst umzugehen, sodass du sie im Griff hast und nicht umgekehrt?

Reality-Check
Der Realiätscheck hilft dir dabei deine Ängste besser einzuschätzen. Frage dich: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Wie wahrscheinlich ist es, dass das Schlimmste eintritt? Mir ist bewusst, dass es gerade im Moment dieser Corona-Krise nicht ganz einfach ist die Gefahrenlage nüchtern zu betrachten. Insbesondere, weil wir nicht genau wissen, welche Meldungen überhaupt stimmten, beziehungsweise die Art und Weise wie etwas gemeldet wird. Medien spielen oft mit der Sensation und wählen ihre Worte sehr bewusst um diese zu erreichen. 

Hier ist es auch wichtig die Medien, die wir konsumieren sehr bewusst auszuwählen und zu versuchen verschiedene Blickwinkel zu betrachten. Lass dich nicht erschrecken von dahingeklatschten Zahlen und Schockbildern.
 
Perspektivenwechsel -Gib deiner Angst ein Gesicht
Ängste haben auch sehr viel damit zu tun, wie wir eine Situation betrachten, aber auch wie wir unsere Angst betrachten. Versuchen wir mal etwas kreativer an die Situation heranzugehen. Wenn sie physische Gestalt annehmen könnte:

  • Wie würde sie aussehen?  
  • Wie würde sie heissen? 
  • Was wäre ihr Charakter?
Beispiel: Meine heisst Angsta Schreckbold. Ihre Grösse variiert je nachdem, wie sehr sie sich Gehör verschaffen will. Meistens labert sie in solchen Situationen meinen Kopf voll und ja, sie klammert dann jeweils ganz gerne. Meine Angst kennt einige Tricks, wie sie mich dazu bringen kann das zu tun, was sie von mir haben will. Mittlerweile kenne ich ihre Tricks aber immer besser und sie hat keine Chance mehr mich zu manipulieren.

Gefühlscheck - Was will mir die Angst sagen?
Wie zuvor schon erwähnt wollen Ängste uns etwas mitteilen. Sie sind unsere Sicherheitspolizei und nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Manchmal auch etwas zu ernst, dennoch ist es kontraproduktiv, wenn wenn du deine Angst versuchst zu ignorieren, denn dann versucht sie sich im Normalfall nur noch mit extremeren Mitteln Gehör zu verschaffen. Nimm dir einen Moment Zeit und akzeptiere sie einfach für das, was sie ist. Wir dürfen angst haben, das ist nichts Verwefliches. Die Frage ist allerdings, was mache ich daraus? Wie gehe ich mit meiner Angst um? Lass ich mich von ihr beherrschen oder sage ich ihr ganz einfach: 
Liebe Angst, es ist völlig in Ordnung, dass du dich derzeit bemerkbar machst und ich weiss deine Besorgnis zu schätzen. Ich lasse mich auch gerne von dir beraten, aber am Ende entscheide ich ganz bewusst und mutig, wie ich mit der Situation umgehen.

Übe dich in Achtsamkeit und lerne Entspannungstechniken
Wie fühlst du dich? Was macht die Angst mit dir? Ist es dir möglich trotz Unsicherheit wieder in deine innere Mitte zu finden? Gerade im Bereich Achtsamkeit und Entspannung gibt es viele Möglchkeiten mit deiner Angst umgehen zu lernen. Einige Tipps dazu findest du schon in anderen Blogbeiträgen, wie zum Beispiel:




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2 Kommentare

  1. Ein guter Beitrag! Vielen Dank, dass du uns Hoffnung machst.

    Liebe Grüsse
    Lisa

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