Gleichwertigkeit als Weg zum Aufblühen

by - April 24, 2021


Einer der Gründe, weshalb ich mich damals für eine Ausbildung im Bereich der Individualpsychologie entschieden habe, ist die Betrachtungsweise aller Menschen als Gleichwertige Individuen. So lebte es deren Begründer, Alfred Adler bereits im ersten Viertel des 20. Jahrhundert vor und so leben wir Adlerianer es bis heute weiter. Das, sowie die Sicht auf den Menschen als eigenverantwortliches und schöpferisches Wesen machte und macht die Individualpsychologie für mich bis heute zu einer besonders praktisch anwendbaren und ganzheitlichen Psychologie. Sie wertschätzt den Menschen, jeden Menschen so, wie er ist und unterstützt da, wo er seine eigenen Fähigkeiten und Stärken noch nicht ganz erkannt hat. 
Gleichwertigkeit als solches, bildet die Goldene Mitte zwischen Überlegenheit und Minderwert. Gleichwertigkeit, so kann man sagen, ist eine Atmosphäre der Entspannung, denn der Kampf ums Dazugehören in dem wir entweder glauben uns wichtig machen zu müssen (Überlegenheit) oder unterwerfen müssen (Minderwert), ist nicht mehr nötig. Wenn wir Gleichwertigkeit leben, dann eröffnen wir einen Raum in dem wir uns entfalten, in dem wir wachsen und aufblühen können.

Diese gelebte Gleichwertigkeit ist gekoppelt mit Wertschätzung - gegenüber anderen, aber auch gegenüber sich selbst. Das Verständnis und die Verinnerlichung des "so, wie ich bin, bin ich gut genug" dient als Katalysator der Gleichwertigkeit, denn wenn wir uns selbst so annehmen können, wie wir sind, dann können wir auch andere annehmen, so wie sie sind und zwar unabhängig davon, ob wir mit ihren Entscheidungen oder Verhaltensweisen einverstanden sind, oder nicht. Wir werten den Menschen dann nicht ausschliesslich an seinen Handlungen, sondern wertschätzen ihn als Individuum, als ganzheitlich zu betrachtendes Wesen - mit Stärken und Schwächen. Bei der Gleichwertigkeit geschieht aber noch etwas anderes, nämlich wir sind bereit einander zu ermutigen, stärken herauszuarbeiten und zu wachsen.

Besteht hingegen keine Gleichwertigkeit, dann wird es anstrengend und zwar für beide Parteien. Denn dann sind wir damit beschäftigt zu kämpfen: wer ist besser, gescheiter, erfolgreicher und wer muss sich unterwerfen? So kann kein gesundes Wachstum entstehen, höchstens die Erkenntnis es beim nächsten Mal wieder auf Augenhöhe zu versuchen. Gerade in der Psychosozialen Beratung, aber natürlich auch im Alltag ist ein Umgang auf Augenhöhe, ein respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander deshalb unabdingbar, zumindest dann, wenn wir einen authentischen und ermutigenden Weg zum Erfolg gehen wollen.

Vielleicht steigt nun in dir die Frage auf, weshalb ich diesen Artikel schreibe? Weshalb ich dir von Gleichwertigkeit erzähle? Als Wegbegleiterin ist es mein Anliegen meine Klienten so optimal wie nur möglich zu unterstützen. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann dass meine Klienten sich entfalten und voll und ganz aufblühen können, doch dazu muss diese Gleichwertigkeit erst gegeben sein. Ich schreibe diese Worte nicht als Regeln für den Raum für Beratung & Wachstum, aber als Ermutigung, dass jeder meiner Klienten sich mit mir auf Augenhöhe fühlen darf. In seltenen Fällen "funkt" es zwischen Berater und Klient nicht und das ist völlig ok, doch möchte ich jedem, der das hier liest mit auf den Weg geben, dass wir in gleichwertiger Zusammenarbeit am meisten wachsen können und das hoffe ich in meinen Beratungen und Coachings mitgeben zu können.

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