Kein Opfer der Umstände

by - Juni 29, 2021


Wenn es uns schlecht geht, dann kann es sich so anfühlen, als meinte es das Leben schlichtweg nicht gut mit uns. Eine Pechsträne nach der anderen scheint uns zu treffen, vielleicht erfahren wir sogar schlimme Schicksalsschläge und irgendwann sind die Energiereserven logischerweise aufgebraucht. Wir fühlen uns erschöpft, vielleicht sogar fremdbestimmt, denn alles andere, nur nicht wir selbst bestimmen unseren Alltag.  Selbst wenn wir uns gerade nicht in einer solch schwierigen Situation befinden, braucht es nicht besonders viel Phantasie um sich vorzustellen, wie ohnmächtig man sich darin fühlen kann. Doch was genau passiert eigentlich in solchen Situationen? 

Denn im Grunde genommen sind es nicht die Situationen selbst, die uns schlecht fühlen lassen, sie sind "nur" der Auslöser, nicht aber Schuld an unserem Empfinden. Diese Tatsache ist ein bittere Medizin zu schlucken? Vielleicht - allerdings hilft uns diese Erkennsnis, so unangenehm sie auf den ersten Moment sein mag, mit einem ersten Schritt aus der Opferrolle auszusteigen.  Denn wenn wir erst einmal verstehen, dass es eine bewusste oder unbewusste Entschiedung unsererseits ist, wie wir auf Sitautionen reagieren sollen und ob wir ob wir uns die Opferrolle aufdrücken wollen, dann können wir beginnen etwas in unserem Leben zu verändern - unsere Opferrolle aufzugeben und stattdessen ein unbeschwerteres, glücklicheres Leben zu führen.

Also nochmals, was genau bringt uns denn in die Opferrolle, wenn nicht diese Situationen, die uns wiederfahren? Es sind unsere Denk-, Fühl- und Handlungsmuster, denn was macht das Opfer? Es bemitleidet sich, beschwert sich womöglich sogar darüber wie ungerecht das Leben sei und fragt sich immer und immer wieder, warum solche Dinge scheinbar immer nur ihm passieren. Erkennst du das Muster bereits? Richtig, solange man sich selbst als Opfer sieht, werden wir auch immer wieder "Möglichkeiten" suchen das Opfer zu sein - unbewusst selbstverständlich, aber eben nicht so fremdbestimmt, wie es uns auf den ersten Blick erscheinen mag. Und nur damit wir uns hier völlig richtig verstehen, die widrikeiten des Lebens treffen uns alle, mal härter mal weniger hart. Wie starkt wir darunter leiden oder wie gut wir etwas wegstecken, hängt von unseren Einstellungen zu den jeweiligen Ereignissen ab. Man sagt auch Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist freiwillig. Wenn wir uns dessen bewusst werden, dann beginnen wir zu verstehen, wie viel Kraft eigentlich in uns steckt, die Kunst liegt nun aber darin diese Kraft zu finden und sie in unserem Alltag zu integrieren und das benötigt etwas Übung. Wie du das üben kannst aus der Opferrolle auszusteigen, falls du dich gerade selbst darin befinden solltest, zeige ich dir jetzt.

1. Selbstverantwortung übernehmen

In erster Linie ist es wichtig sich überhaupt bewusst zu werden, dass man sich in der Opferrolle befindet. Im vorangehenden Text hast du einiges darüber erfahren, was es bedeutet sich in die Opferrolle zu begeben. Anhand dessen kannst auch du für dich erkennen, ob es auf dich selbst zutreffen könnte, oder nicht. Weiter ist es wichtig sich selbst die Erlaubnis zu geben aus der Opferrolle auszusteigen und das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Es ist wichtig dir diese Erlaubnis zu geben, denn sie ist der erste Schritt zu einem selbstbestimmten Leben. Werde dir bewusst, dass anderen die Schuld für dein Empfinden zu geben nicht der Weg zur Lösung ist, sondern höchstens ein Teufelskreis, bei dem du dich immer wieder in die Opferrolle versetzt.

2. Vorteile als Opfer?

Opfer sein kann durchaus auch Vorteile haben und diese gilt es zu durchschauen. Klingt seltsam? Das mag auf den ersten Blick durchaus so sein, wenn wir die Rolle des Opfers jedoch genauer betrachten, dann fällt uns folgendes auf: Solange der Gewinn, denn wir aus der Opferrolle ziehen grösser erscheint, also der Gewinn daraus auszusteigen, wird es schwierig die nötige Motivation aufzubringen, tatsächlich etwas zu verändern. Sich daher die Frage zu stellen, was der Gewinn des Opfers ist, sein (unbewusstes) Ziel, ist daher durchaus sinnvoll.

Was also ist der Vorteil des Opfers? Zum einen bekommt das Opfer in der Regel viel Aufmerksamkeit (im Guten wie im Schlechten). Einem Opfer wird gerne alle Last abgenommen, es kann daher oft auch einfach seine Hände in den Schoss legen. Ausserdem befindet sich das Opfer in einer sehr besonderen Lage, in der es sich ohne besonderes Zutun als guter, moralisch korrekter Mensch sieht, während auf der anderen Seite die Bösen sind, die ihm Leid zufügen. Das geht Hand in Hand mit der Erwartung, dass andere Menschen einen etwas Schulden, denn als Opfer hat man eine Entschädigung fürs angetane Leid verdient. Nochmals, es geht mir hier nicht darum Unrecht, welches einem angetan wurde kleinzureden, sondern ausschliesslich darum aufzuzeigen, dass man kein Opfer bleiben muss, wenn man es nicht möchte.

3. Kein Sündenbock und keine Strafe

Als Menschen neigen wir dazu Gründe dafür zu finden, weshalb uns gewisse Ungerechtigkeiten passieren. Es MUSS schliesslich einen Grund geben, jemand oder etwas, der dafür verantwortlich ist. Sei dies jemand aus unserem Umfeld, oder selbst eine göttliche Macht. Oft gehen solche Erklärungsversuche auch damit einher, dass wir glauben wir hätten etwas verdient oder eben nicht verdient. Wir sehen es also als eine Art Strafe und oft glauben wir, es gäbe einen Grund dafür, weshalb wir bestraft würden. Sollten dir solche Gedanken bekannt vorkommen, dann verabschiede dich ganz rasch wieder von ihnen. SHIT HAPPENS und zwar JEDEM Menschen. Das ist nich deine Schuld und auch keine Strafe. Gewisse Dinge liegen schlichtweg nicht in unserer Hand, wie eben schon erwähnt. Wichtig ist nur, wie wir uns entscheiden darauf zu reagieren.


4. Perspektivenwechsel

Hast du dich schon mal ganz bewusst in die Situation des vermeintlich Bösen versetzt? Findest du vielleicht sogar erklärungen, weshalb er/sie so gehandelt haben könnte und dich ungerecht behandelt haben könnte? In den meisten Fällen hat das Verhalten anderer Menschen viel mehr etwas mit ihnen selbst zu tun, als mit uns, das ist Opfern oft nicht bewusst. Wenn wir es allerding schaffen uns die Situation aus einer anderen Perspektive anzuschauen, sie auf andere Weise verstehen lernen und dadruch  vielleicht sogar andere Gründe finden, dann hilft uns das Unabhängigkeit zu finden von deren Meinungen und Hanldungsweisen.

5. Gefühle kennenlernen & Selbstwertgefühl steigern

Ist dir bewusst, weshalb du in der Opferolle bist? Kennst du deine Geschichte, deine Gefühle dazu? Es kann äusserst hilfreich sein sich mit den eigenen Mustern zu befassen, denn jeder Mensch hat seine ganz persönlichen Denk-, Gefühls- und Handlungsmuter, fast ein wenig wie eine Weltkarte der eigenen Persönlichkeit. Alfred Adler nannte diese Muster einst den Lebensstil eines Menschen.

Uns selbst besser kennenzulernen unterstützt uns dausserdem dabei unser Selbstwertgefühl zu steigern. Dadurch lernen wir für unsere eigenen Bedürfnisse einzustehen und machen uns ebenso unabhängiger von all dem, was um uns herum geschieht und uns womöglich widerfährt.

Schmerz und Leid

Zum Schluss möchte ich nochmals das Thema Schmerz und Leid aufgreifen. Wie zuvor schon erwähnt ist Schmerz im Leben unvermeidlich. Jedes Lebewesen kennt Schmerz, er gehört zum Leben dazu und ist im Grunde genommen nichts schlechtes. Ob wir jedoch darunter leiden wollen, das liegt voll und ganz in unserer Hand. Nach jeder Verletzung, nach jedem Schmerz (ob Physisch oder Psychsich) folgt ganz natürlich eine Phase des Verabeitens. Diese Verarbeitung geschieht zum Beispiel durch Trauer, durch Selbstmitgefühl oder auch Vergebung. Da diese natürlichen Verarbeitungsmöglichkeiten allerdings oft nicht besonders angenehm sind, neigen wir manchmal dazu diese zu vermeiden und genau da beginnt der Weg des Leidens. Aber was genau bedeutet Leid? Leid ist tiefer seelischer, wiederholter Schmerz als Folge erfahrenen Unglücks. Heisst, wir durchleben in unseren Gedanken und Gefühlen immer wieder eine für uns schmerzhafte Situation. Dieses Erlebnis am Leben zu erhalten braucht nicht nur unheimlich viel Energie, sondern schadet uns auch immer wieder aufs Neue so als ob wir die damalige Situation immer wieder von Neuem durchleben würden. 

Der Weg aus dem Leid

Der Weg aus dem Leid lautet daher: Akzeptanz. Anstatt Schmerz vermeiden zu wollen, sollten wir ihn viel mehr als Lehrer betrachten, der uns dabei hilft Veränderung herbeizubringen und uns wachsen lässt. Schmerz will uns immer etwas mitteilen, hören wir ihm zu, dann geben wir uns selbst die Möglichkeit ihn zu verarbeiten. Und um den Kreis zu schliessen, natürlich hat auch die Opferrolle immer etwas mit Leid zu tun. Wenn wir es schaffen dieses Leid zu durchbrechen, vielleicht mit einer der oben erwähnten Methoden, dann gewinnen wir ein grosses Stück an Selbstbestimmtheit zurück.


In diesem Sinne, pack es an. Du besitzt alle Fähigkeiten, die du dazu benötigst schon in dir.

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